Pauline, in deinem Wikipedia-Artikel kann man lesen, dass dich der Film „Die Wilden Kerle“ zum Fußballspielen animiert hat. Stimmt die Geschichte?
Das stimmt tatsächlich. (lacht) Als ich den Film gesehen habe, bekam ich sofort Lust aufs Fußballspielen. Also habe ich mir meine Schwestern geschnappt, um beim SVG Göttingen zu kicken.
Hast du noch Kontakt zu Spielerinnen und Spielern von damals?
Hin und wieder schon. Natürlich schaffe ich es nicht so häufig nach Hause, aber wenn ich mal da bin, dann treffe ich auch den einen oder anderen. Letztens habe ich zum Beispiel das Relegationsspiel der SVG-Frauen gesehen, als diese den lang ersehnten Aufstieg in die Oberliga geschafft haben – das war natürlich ein super Timing.
Wann hast du gemerkt, dass du es in den Profifußball schaffen kannst?
Erstmal eine ganze Zeit lang gar nicht. Am Anfang habe ich immer nur gespielt, weil es mir so viel Spaß gemacht hat. Mit elf kam ich in die Kreisauswahl und dann ging es immer weiter bis in die Niedersachsenauswahl. Mich in den Auswahl-Trainingseinheiten und bei den Sichtungsturnieren auf höherem Niveau messen zu können, hat mir noch viel mehr Spaß gemacht. Ich wollte einfach immer weiter spielen. Und da hab ich dann gemerkt, dass der Fußball ein wichtiger Teil meines Lebens werden kann. Ich bin super froh, dass er das auch geworden ist.
Mit 16 Jahren bist du dann von Göttingen zu Turbine Potsdam gewechselt. Wie groß war die Umstellung für dich?
Es war schon ein sehr großer Schritt! Meine Familie war natürlich traurig, trotzdem sie haben mich immer unterstützt und es sehr befürwortet, weil sie auch erkannt haben, wie wichtig mir der Fußball ist. In Potsdam konnte ich ins Internat einziehen, was mir den Start erleichtert hat. Aber ich habe auch früh gelernt selbstständiger zu werden, was mir in meiner Entwicklung sehr geholfen hat.
Gab es einen Trainer oder eine Trainerin in deiner Jugend, die dich auf dem Weg zur Profispielerin besonders unterstützt und gefördert hat?
Also meine Familie und meine Freunde haben mich immer unterstützt – das war schon mal super wichtig. Und was die TrainerInnen angeht, hat es mir persönlich glaube ich am meisten gebracht, dass ich so viele verschiedene davon hatte – vor allem in den Auswahlmannschaften. Es waren immer verschiedene Dinge, die ich bei einzelnen TrainerInnen besonders verbessern konnte – mal die Technik, mal die Taktik, mal die Athletik. Und dieses gesamte TrainerInnen-Bild hat mich zu dem geformt, was ich jetzt bin.
Bei Turbine angekommen, war dein Platz zunächst in der 2. Mannschaft. Was war das für ein Gefühl, als du dann dein erstes Spiel für die 1. Mannschaft in der Bundesliga absolvieren durftest?
Das war alles ziemlich spontan. Als ein Spiel der Zweiten ausgefallen ist, habe ich einen Tag vor dem Spiel der Ersten einen Anruf bekommen, dass ich dort als Reservespielerin dabei sein soll. Und während der 2. Halbzeit wurde ich dann völlig unerwartet zur Einwechslung herangerufen. In dem Moment hab ich das gar nicht wirklich realisiert, aber auf einmal spielte ich Bundesliga. Vielleicht war es gut, dass ich in dem Moment nicht zu viel drüber nachdenken konnte und es war auf jeden Fall ein super Erlebnis!
Ab diesem Zeitpunkt startete deine Karriere durch, kann man sagen. Du hattest Erfolge mit den DFB-Auswahlen, bist mit der Fritz-Walter-Medaille als beste Nachwuchsspielerin ausgezeichnet worden, nur die Titel mit Potsdam fehlten. War das ein Grund, weshalb du nach Lyon gewechselt bist?
Bei Turbine hatte ich eine sehr schöne und intensive Zeit, in der ich mich super entwickeln konnte! Titel waren da zweitrangig und deswegen auch nicht der Wechselgrund. Ich bin nach Lyon gewechselt, weil ich Lust auf die nächste Herausforderung hatte, um mich neben dem fußballerischen auch persönlich weiterzuentwickeln. Andere gehen während der Schule oder dem Studium ins Ausland und ich wollte das auch. Ich hatte gerade mein Abitur geschrieben, mein Schul-Französisch war noch frisch, also hat es perfekt gepasst. Und diesen Schritt bereue ich auf keinen Fall. (grinst)
Denn in der ersten Saison hast du mit Lyon gleich das Tripple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewonnen! Kannst du das mittlerweile in Worte fassen?
Es fühlt sich immer noch wie der Wahnsinn an! Wir haben eine wirklich gute Saison gespielt und konstante Leistung gebracht. Der Champions-League-Titel hat das alles noch gekrönt – die Spannung beim Elfmeterschießen gegen Wolfsburg war kaum auszuhalten. Lyon ist wirklich eine tolle Mannschaft, ich bin hier super aufgenommen worden. Aber dass wir gleich so einen Erfolg haben würden, damit habe ich nicht gerechnet.
Bald steht die neue Saison an. Was setzt man sich nach einem Tripple für Ziele?
Persönlich habe ich mir das Ziel gesetzt, mich hier fester zu etablieren. Mit 20 kann man noch so viel lernen. Außerdem habe ich durch Verletzungen einige Spiele der letzten Saison verpasst – das will ich jetzt aufholen. Und als Team ist unser großes Ziel natürlich wieder das Tripple. Wenn man sowas einmal geschafft hat, macht das nur noch Lust auf mehr! Aber erstmal kommt ja noch Olympia.
Genau! Welche Ziele gibt es denn für Rio – persönlich und als Team?
Mein ganz persönliches Ziel ist erstmal die Nominierung, also bei Olympia dabei zu sein. Wenn das klappt, will ich natürlich auch spielen – so wie immer! (lacht) Als Mannschaft haben wir uns ganz klar die Goldmedaille als Ziel gesetzt. Das ist natürlich ein weiter Weg dahin, aber solche Turniere will man gewinnen. Bei der letzten Weltmeisterschaft war im Halbfinale Schluss, jetzt wollen wir alles dafür geben, wieder ganz oben zu stehen.
Die Vorbereitung darauf findet unter anderem hier in Barsinghausen statt. Ein besonderer Ort für dich, oder?
Absolut. Hier war ich schon zu so vielen Auswahl-Lehrgängen, da ist das schon ein besonderes Gefühl, mal wieder hier zu sein. Man kennt die Plätze, die Gänge in der Sportschule. Ich bin sogar einem Trainer von damals über den Weg gelaufen. Vieles fühlt sich an wie früher. Der wesentliche Unterschied zu damals ist eigentlich, dass ich jetzt mit der Nationalmannschaft in die schönsten Zimmer hier darf. (lacht)
Mal über Olympia und die nächste Saison hinaus gedacht. Wie könnte deine weitere Karriere aussehen? Willst du vielleicht mal in den USA spielen oder zieht es dich schon bald nach Deutschland zurück?
Also erstmal habe ich in Lyon gerade bis 2018 verlängert, weil es mir dort wirklich sehr, sehr gut gefällt. Aber dann könnte ich schon wieder Deutschland anpeilen, weil dort meiner Meinung nach einfach die stärkste Liga ist. Das Niveau der Teams ist durchgehend auf einem hohen Level, da kann es jeden Spieltag zu überraschenden Ergebnissen kommen.
Denken wir noch einen Schritt weiter. Wirst du mal als Trainerin an der Seitenlinie stehen?
Also ich hab großen Respekt vor dem Job, da an einigen Entscheidungen viel dranhängt. Ob ich das wirklich mal machen werde, weiß ich gerade nicht, da ich total fokussiert auf meine Karriere als Spielerin bin. Wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt drüber nachdenke, will ich so lange wie möglich Spielerin sein.
Hast du denn schon mal Erfahrungen als Trainerin sammeln können?
In meinem alten Verein habe ich tatsächlich ein paar Mal beim Training der E-Jugend mitgemacht. Aber das ist echt schwer für mich, weil ich immer sofort spielen will, wenn ich einen Ball sehe. (lacht)
Obwohl du noch so jung bist, hast du schon so viele TrainerInnen erlebt - was gehört für dich als Spielerin zu den wichtigsten Eigenschaften eines Coaches?
Ein guter Kontakt zu den SpielerInnen ist entscheidend. Für mich war es immer wichtig, mal eine Rückmeldung zu bekommen, ein paar Tipps, woran ich gerade am härtesten arbeiten sollte, wo ich im Moment stehe. Also TrainerInnen sollten eine gute Mischung aus Respektsperson und Kumpel sein. Und als SpielerIn man muss natürlich merken, dass die Trainer auch Ahnung von dem haben, was sie einem vermitteln wollen.
In dem Junior-Coach-Projekt werden junge TrainerInnen ausgebildet. Was würdest du den Junior-Coaches als Tipp mitgeben?
Nie den Spaß aus den Augen zu verlieren. Fußball macht einfach Spaß, der sollte so viel möglich gefördert werden. Ich glaube, dass wir alle – egal ob als SpielerIn oder als TrainerIn – nur richtig gut werden können, wenn Spaß an

