Sibel, vor kurzer Zeit warst du bei der U19-Nationalmannschaft der Türkei. Gib uns doch mal einen kurzen Einblick in deine Erlebnisse. Was war dein schönster Moment bisher?
Es ist wirklich schwer, einen schönsten Moment benennen zu müssen, denn die bisherigen Erlebnisse mit der Nationalmannschaft waren alle einfach sehr toll. Mein schönstes Erlebnis war aber glaub ich mein erster Länderspieleinsatz in Bulgarien, als wir gegen Bosnien-Herzegowina gespielt haben. Ich glaube, ich hatte noch nie in meinem Leben so viel Gänsehaut wie dort. Es fing schon mit dem Einlaufen und dem Singen der Nationalhymne an. Als das Spiel dann angepfiffen wurde, dachte ich, ich träume das alles nur. Ich bin einfach so glücklich, dass ich die Chance bekomme, auch international im Einsatz zu sein!
Wie ist es denn zu der Sichtung für die U19 gekommen?
Es gibt eine Türkische Nationalspielerin, die mal bei Bayer Leverkusen gespielt hat und die Sichtung hier in Deutschland übernimmt. Sie ist auf mich aufmerksam geworden und hat den Kontakt zur Nationalmannschaft hergestellt. Dann hat die Co-Trainerin Ceylan Demirbağ mit meinem Vater telefoniert und erzählt, dass sie mich schon längere Zeit beobachten würden und nun genau der richtige Zeitpunkt für die U19-Nationalmannschaft wäre. Und so kam es dann zu der Einladung zum Sichtungslehrgang im Sommer mit dem anschließenden UEFA-Turnier in Bulgarien.
Wie müssen wir uns denn so einen Trainingstag eines Lehrgangs vorstellen?
Mit einem Wecker, der früh klingelt. (lacht) Da es schon um 7:00 Uhr Frühstück gibt, stehe ich gegen 6:30 Uhr auf. Nach dem Frühstück holen wir die Trainingssachen bei unserem Zeugwart und machen uns für das Frühtraining fertig. Das findet von 08:30 bis 10:00 Uhr statt. Bis zum Mittagessen sind meistens Team-Meetings oder Einzelgespräche mit unseren Trainern, unter anderem auch Videoanalysen von vorherigen Spielen. Manchmal haben wir auch Meetings mit unserer Teampsychologin, die mit uns Motivationsübungen oder Teambuildung macht. Am Nachmittag haben wir physiotherapeutische Behandlungen oder Freizeit. Nur kann ich die Freizeit meistens nicht so sehr genießen, da ich dann den Schulstoff nachholen muss, den ich durch den Lehrgang verpasse. Abends ist wieder für anderthalb Stunden Training. Anschließend essen wir gemeinsam und haben dann wieder Freizeit oder Behandlungen. Aber nach so einem Tag sehne ich mich einfach nur nach meinem Bett. (lacht)
Schaffst du es als Nationalspielerin denn noch, selbst als Trainerin aktiv zu sein?
Ja, ich trainiere seit diesem Jahr mit meiner besten Freundin Inken zusammen eine G-Jugend. Das klappt bis jetzt auch alles ganz gut. Wenn ich auf einem Lehrgang mit der U19-Nationalmannschaft bin, übernimmt Inken das Training alleine und hält mich darüber auf dem Laufenden.
Wie lange ist es eigentlich her, dass du mit deiner Junior-Coach-Ausbildung begonnen hast?
Ich habe vor rund einem Jahr meinen ersten Junior-Coach-Lehrgang in Barsinghausen besucht. Eigentlich hatte mich die Position als Trainerin nie so richtig interessiert, aber trotzdem habe ich mich aus Spaß mit zwei Freundinnen bei dem Lehrgang angemeldet. Und letztlich hat sich schnell gezeigt, dass mich die Position doch ziemlich interessiert, sodass ich mittlerweile sogar meine C-Lizenz habe. (lacht)
Wie hat dich die JC-Ausbildung sportlich und persönlich weitergebracht?
Durch die Ausbildung habe ich eine ganz andere Sicht auf den Fußball bekommen, weil ich einfach viel mehr verstehe und nun die logischen Zusammenhänge in Training und Spiel erkennen kann. Das hilft mir auch als Spielerin viel weiter. Zum Beispiel hätte ich früher nicht gedacht, dass so viel Arbeit hinter einer Trainingseinheit steckt. (lacht) Außerdem mussten wir bei den Lehrgängen viel im Team arbeiten und die Ergebnisse präsentieren. In Bezug auf die Präsentationsfähigkeit hat mir dies in der Schule bei Referaten unglaublich weitergeholfen.
Jetzt noch eine letzte Frage: Wie stellst du dir das nächste Jahr vor und was sind deine langfristigen Ziele?
Auf jeden Fall möchte ich immer etwas mit Fußball zu tun haben! Ich hoffe, meine G-Jugend solange wie möglich weiter zu trainieren, wenn dies mit der Nationalmannschaft und meiner Vereinsmannschaft zu vereinbaren ist. Außerdem wünsche ich mir, dass ich bei der nächsten EM-Qualifikation wieder für die U19 der Türkei spielen darf und vielleicht in zwei Jahren den Übergang in die A-Nationalmannschaft der Frauen schaffe. Zudem ist es mir sehr wichtig, mein Abitur im nächsten Jahr erfolgreich zu absolvieren. Perfekt wäre es, wenn ich Job und Fußball in Zukunft miteinander verbinden könnte, denn ohne Fußball kann ich nicht leben!
Wer ebenfalls Interesse hat, als „Junior-Coach-Reporter“ aktiv zu werden, meldet sich einfach per Mail unter info@junior-coach.de und bleibt so über das neue Projekt auf dem Laufenden.

